Ein Vorzeigebeispiel im Kampf gegen Repression und doch eine Schwäche unserer Gesellschaft.

Wie die Lokalzeitungen des Kreises Höxter in letzter Zeit berichteten hätte den 18-jährigen Karen S. mit aller Wahrscheinlichkeit das gleiche Schicksal ereilen können, wie jährlich 50`000 Menschen in Deutschland: Seine Abschiebung stand bevor.

Nachdem der Schüler 2008 aus Armenien nach Höxter umgezogen war, weil seine Mutter im September 2007 in Armenien einen Höxteraner heiratete, erhielt er eine Aufenthaltsgenehmigung, die jedoch rechtlich an die Heirat gebunden war. Nach der Trennung Karens Mutter von ihrem Mann erlosch diese Genehmigung; gefestigt wäre sie erst nach vollen 2 Ehejahren gewesen.

Der 11. Januar wäre somit, laut der „Neuen Westfälischen“ Karens Ausreisetermin in sein ehemaliges „Heimatland“ gewesen, doch trotz der prekären rechtlichen Situation des Jungen, der, jetzt in Jahrgangsstufe 11, erfolgreich sein Abitur anstrebt, helfen ihm SchulkameradenInnen und LehrerInnen, wo sie nur können.
Es wird zur Solidarität aufgerufen,
zu mehr Toleranz,
zu Mitgefühl…
und schließlich zur Erhärtung der sozialen und gesellschaftlichen Fronten.
Die NW Höxter zitierte wie folgt den Vertreter Karens Jahrgangsstufe, Johannes S.: „Ich verstehe nicht, warum jemand wie Karen […] ausgewiesen wird. Viele Ausländer, die sich nicht in die Gesellschaft integrieren, dürfen hier bleiben.“.

Gesetzt, unterschrieben, abgeschickt: Hier bitteschön, das Armutszeugnis unserer Gesellschaft… sieht nicht gut aus? Na dann mit mehr Zucker auf den Augen und traurigen Gesichtern auf der Titelseite.
Wie kann es denn sein, dass ein Mensch auf Grund seiner Schulnoten, seiner Geldmittel und dadurch der Chance auf eine erfolgreiche Integration das Gütesiegel „Deutsch“ behalten darf oder entzogen bekommt, sich der Aufenthalt hinter den deutschen Grenzen oder in der Festung Europa nur durch Antipathie und Sympathie in der Waagschale der Willkür realisieren lässt?
Viele AsylbewerberInnen oder EinwanderInnen haben nicht einmal das Geld oder es fehlt an jeglicher Unterstützung sie auf Schulen schicken zu können, geschweige denn ihnen einen Deutschkurs zu ermöglichen; meist ist es ihnen nicht einmal erlaubt.
Haben es MigrantInnen, denen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen und Ressourcen fehlen weniger verdient vom Elend in der fernen „Heimat“ verschont zu bleiben?
Was ist mit den jährlich 50`000 Menschen, die in Deutschland voller Hoffnung Asyl beantragt haben, doch trotz allem dem Abschiebungsapparat zum Opfer fallen, weil sie nicht in das deutsche Wirtschaftsbild „verwertbarer Ware“ passen?

Kaum hat der Schrecken ein Gesicht prügelt man sich um die besten Schlagzeilen, wird sich um das Grauen gekümmert. All die Schicksale, die tagtäglich der Repression ausgesetzt sind verschwinden im Schatten der Sensation, bleiben dort auch nach dem Medienrummel, die aktiven Helfer rutschen wieder ins Unpolitische, man lebt den Tag.
Dass den Menschen die Ungerechtigkeit erst klar wird, wenn direkt vor ihrer Nase auf die Scheiße gehauen wird ist traurig. Das dadurch jährlich mehrere tausend AsylantInnen, MigrantInnen und andere Menschen leiden müssen ist tragisch.

Wir, die A.F.I. Höxter sprechen Karen S. unsere volle Unterstützung und Solidarität zu, auf dass er dem Repressionsapparat ein Schnippchen schlagen kann. Trotzdem darf Karens Schicksal nicht das einzige bleiben, um dass sich gekümmert wird, zumal das Elend grade in Höxter durch die „Asylantenheime“ sichtbar wird!

In diesem Sinne: NO BORDER, NO NATION, STOP DEPORTATION!