Höxtersche Kreiszeitung / Neue Westfälische , 18.02.2010
Steinheim. Einer Zivilstreife der Polizei fielen am Rosenmontagabend in der Rochusstraße zwei Männer im Alter von 21 Jahren auf. Sie beklebten wahllos alles mit Aufklebern mit rechtsgerichteten Parolen. Bei einem der Männer wurde auch eine geringe Menge Rauschgift und eine verbotene Signalfackel gefunden und sichergestellt. Ein Strafverfahren ist eingeleitet.
Es klingt nach purer Ironie, den vorliegenden Artikel der Neuen Westfälischen zu lesen.
Junge Männer des rechten Spektrums beschädigen fremdes Eigentum und werden dabei von der Polizei erwischt.
Abgesehen davon, führte einer der beiden Täter eine verbotene Signalfackel und Rauschgift mit sich.
Den Damen und Herren der Freien Kameradschaft Höxter wird es sicherlich sehr gefallen, dass die Polizei endlich gegen das Umtreiben in Steinheim vorgeht. Wie von ihnen, in einem Brief an den Bürgermeister von Steinheim gefordert, zeigte die Polizei Präsenz und erwischte zwei junge Männer, wie sie ganz und gar nicht in das Bild der Freien Kameradschaft passen. Es waren nicht wie von der FK Höxter denunzierte Ausländer, sondern Deutsche, die durch Kriminalität negativ auffielen. In einem Artikel der FK Höxter vom 8.Semptember 2009, in dem ein Fall von Selbstjustiz der Freien Kameradschaft gegen einen Drogendealer beschrieben wird, ist zu lesen “ Der Staat setzt lieber auf dem Kampf gegen rechts als auf die Bedrohungen die dem deutschen Volke Schaden zufügen könnten …“.Der Polizei ist in diesem Fall ein Schlag gegen rechts und gegen Bedrohungen des deutschen Volkes gelungen. Des Weiteren lehnt die FK Höxter, wie sie ebenfalls auf ihrer Internetseite verkünden lässt, Gewalt und Kriminalität ab.
In der Kategorie „Wir über uns“, was eine Selbstdarstellung erwarten lässt, aber allerdings nur ein kopierter Text der Internetseite Frei-sozial-national.info beinhaltet, steht :
„Mein Widerstand ist
ENTSCHLOSSEN – nicht gewalttätig!
POLITISCH – nicht kriminell!
RADIKAL – nicht bewaffnet!“
Diese Form von Selbstwahrnehmung scheint allerdings nicht auf die zwei ertappten kriminellen Rechten zu zutreffen.
Sachbeschädigung mag in ihren Augen vielleicht politisch sein, legal ist es trotzdem nicht. Ihre Radikalität vertreten sie unbewaffnet und unmissverständlich durch verbotene Signalfackeln. Eine klare pazifistische Grundeinstellung lässt sich zudem aus folgendem Zitat der FK Höxter erkennen:
„Die anständigen, freien Deutschen schlossen sich wieder zusammen, die riesige Häuserwand verbarg sie zuvor sehr gut, und wir die Möchtegerntotschläger damit zwischen uns ein!
Was dann kam war nicht nett, aber notwendig und unabwendbar. Ihre Waffen halfen dem antideutschen Mörderpack nur wenig, und auch nur ganz kurz.
Diejenigen die liegenblieben als sich der Marsch der Anständigen fortsetzte waren keine Nationalisten. “
“ Wir sind entschlossen, wir sind bereit alles zu geben – wir sind nicht aufzuhalten! “
Als eine Organisation die Gewalt ablehnt, sollte es möglich sein deeskalierende, friedlich Konfliktlösungen an den Tag zu legen und zur Not sich von der Gefahrenquelle zu entfernen. Die Darstellung der gewaltvollen Begegnung mit linken Demonstranten hinterlässt allerdings den Eindruck eines erfolgreichen Hooligansieges nach einem Derby.
Zwischen dem theoretischen, propagiertem Konsens und dem realen Agitationsverhalten, der neune radikalen Rechten im Kreis Höxter ,liegen anscheinend große Differenzen, die darauf schließen lassen, dass sich die Kameraden lieber hinter Phrasen und Parolen verstecken anstatt ihren wahren Charakter zu zeigen.